Renata Alt

Feministische Außenpolitik

Plenarrede

Redemanuskript

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren,

letzte Woche wurde meine Büroleiterin bei einer Veranstaltung zu europäischer Verteidigungspolitik von einem älteren Herrn angesprochen. Völlig überrascht fragte er sie: „Na, was machen Sie hier? Auf so einer außenpolitischen Veranstaltung? Bei wem sind Sie Praktikantin?“

Meine Damen und Herren, dass Frauen im Jahr 2019 ihre außenpolitische Qualifikation derart plump abgesprochen wird, ist beschämend!

Deutsche Außenpolitik muss weiblicher werden. Andere Staaten sind uns dabei längst weit voraus.

Hillary Clinton, Chrystia Freeland oder Federica Mogherini – um nur einige bekannte Außenministerinnen zu nennen. Madeleine Albright war gerade eine gefragte Gesprächspartnerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Lassen Sie uns für eine Außenpolitik eintreten, in der Frauen selbstverständlich ihren Platz haben – vor allem als Gestalterinnen.

Dazu bekennt sich die Bundesregierung in den Leitlinien zur Krisenprävention und in der UN-Resolution 1325. Diese macht deutlich, dass Frauen nachhaltig Frieden sichern.

Setzen Sie in Ihren Projekten endlich auf die aktive Beteiligung und Einbindung von Frauen. In UN-Missionen, bei der Gesetzgebung, oder in der Trauma-Bewältigung.

Nutzen Sie den UN-Sicherheitsrat. Legen Sie einen Schwerpunkt auf die Rechte der Frauen!

Es darf nicht sein, dass in Afrika sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt wird. Es darf nicht sein, dass in Indien weit über 100 Frauen täglich vergewaltigt, unterdrückt oder ermordet werden – nur, weil sie Frauen sind!

Unterstützen Sie Frauenbewegungen weltweit, wie zum Beispiel die iranische White Wednesday Bewegung.

Liebe Frau Brugger, vielem von dem, was gesagt wurde, kann ich zustimmen.

Uns eint die Überzeugung, dass wir eine bessere Außenpolitik brauchen. Aber brauchen wir eine „feministische“ Außenpolitik?

Nein! Das Label „feministisch“ ist für unser Anliegen überflüssig, in der Sache sogar kontraproduktiv. Denn wir werden nur schwer eine gemeinsame Definition von „Feminismus“ finden.

Meine Damen und Herren, Deutschland ist ein modernes Land. Wir brauchen eine moderne und verantwortungsvolle Außenpolitik, die Schwache schützt. Eine Außenpolitik, die allen Chancen bietet und Teilhabe ermöglicht. Wir brauchen eine Außenpolitik, deren Umsetzung und Repräsentation gleichermaßen von Männern und Frauen vorangetrieben wird. Denken Sie auch an die Zukunft Ihrer eigenen Töchter.

Durch Vorbildfunktion in Führungspositionen können wir Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Dieses Bild eines modernen Deutschlands wollen wir Freie Demokraten in die Welt transportieren.

Der Überweisung in den Ausschuss stimmen wir zu. Vielen Dank.